1. Auf das Positive achten

Horchen Sie in sich hinein und schreiben Sie auf, was Sie an Ihrem Kind mögen. Führen Sie Tagebuch über Dinge, die Sie überrascht und erfreut haben. Wie habe ich darauf reagiert? Habe ich mein Kind gelobt?

2. Dem Kind deutlich machen, welches Verhalten von ihm erwartet wird

Nicht: Räum dein Zimmer auf! Sondern: Räum alle Sachen vom Boden auf und lege sie in die große gelbe Kiste!“ Dabei nicht diskutieren oder moralisieren („Nie tust du das, was ich will!“). Dem Kind Zeit geben und gegebenenfalls die Aufforderung in knappen Sätzen wiederholen oder das Kind kurz berühren, um seine Aufmerksamkeit zu erhalten.

Wenn Ihr Kind unerwünschtes Verhalten an den Tag legt, müssen Sie ihm sagen, was es stattdessen tun soll (nicht: „Schmeiß nicht immer deine Jacke auf den Boden!“, sondern „Häng deine Jacke an den Haken!“).

3. Prioritäten setzen

Welcher Kampf lohnt sich? Was ist wirklich von Bedeutung? Unbedeutendes Fehlverhalten übergehen – dem Kind dafür keine Aufmerksamkeit schenken. Nicht an Kleinigkeiten herummeckern.

4. Dem Kind Verantwortung übertragen

Geben Sie Ihrem Kind täglich zu verrichtende Aufgaben im Haushalt (den Mülleimer leeren, Haustiere füttern). Ihr Vertrauen und Ihr Lob werden Ihr Kind selbstbewusster und selbstsicherer machen. Lassen Sie Ihr Kind möglichst oft selbst entscheiden und Probleme eigenständig lösen. Akzeptieren Sie, dass es dabei nicht immer erfolgreich sein wird. Ihr Kind wird daraus lernen, und das ist viel wert. Beziehen Sie Ihr Kind in Entscheidungsprozesse ein. Regeln, die sich Ihr Kind selbst ausgedacht hat oder denen es zugestimmt hat, wird es mit höherer Wahrscheinlichkeit befolgen.

5. Klare Regeln und deutliche Strukturen

Lieber wenige, klare Regeln als ein ganzes Labyrinth an Ver- und Geboten. Kurze, prägnante Sätze – keine weitschweifigen Erklärungen. Ihr Kind braucht Strukturen, kein Vielleicht.

6. Regelpläne und Belohnungen

Prüfen Sie immer wieder, ob sich Ihr Kind an vereinbarte Regeln hält. Bestehen Sie darauf – liebevoll, aber unnachgiebig. Rückmeldungen und Konsequenzen müssen schnell kommen („direktes Feedback“). Dabei gilt der Grundsatz: Lob vor Strafe. Bestrafungen führen im günstigsten Fall zur Vermeidung des unerwünschten Verhaltens; nicht dazu, dass es verschwindet. Wenn Sie versuchen, ein Verhalten zu ändern, sollte der Ansatz positiv sein.

So stellen Sie einen Belohnungsplan auf:

  1. Besprechen Sie mit dem Kind die Regel. Lassen Sie Ihr Kind diese Regel wiederholen. Vergewissern Sie sich, dass Ihr Kind die Regel verstanden hat.
  2. Geben Sie dem Kind einen kleinen Anreiz dafür, dass es die Regel befolgt.
  3. Geben Sie dem Kind in der Problemsituation immer wieder Rückmeldungen.
  4. Loben Sie gleich und belohnen Sie Ihr Kind, wenn die Regel befolgt wurde. Loben und ermutigen Sie Ihr Kind auch, wenn es nicht geklappt hat, aber Anstrengungen zu erkennen waren.
  5. Verändern Sie regelmäßig die Art der Belohnungen. So verhindern Sie, dass das Belohnungssystem uninteressant und damit unwirksam wird.

7. Regelverletzungen angemessen begegnen

Grobe Vergehen können und sollten nicht ignoriert werden. Strafen müssen aber in einem zeitlichen und logischen Zusammenhang mit der zu kritisierenden Handlung stehen. Am wirksamsten sind „natürliche Strafen“, die gleichzeitig logische Folgen des Fehlverhaltens sind. Ein Beispiel: Ihr Kind zerstört absichtlich ein bestimmtes Spielzeug. Sie als Mutter oder Vater sollten dann dieses oder ein ähnliches Spielzeug weder nachkaufen noch reparieren. Ihr Kind muss damit leben, dass es dieses Spielzeug nicht mehr hat und wird in Zukunft besser mit seinen Dingen umgehen.

8. Konsequenz ist nicht Härte

Konsequenz heißt: Was heute verboten ist, ist auch morgen verboten. Was heute erlaubt ist, kann das Kind auch morgen machen. Wenn Sie sich nicht selbst widersprechen, kann Ihr Kind Sie besser einschätzen. Es weiß, woran es ist. Seien Sie auf eine liebevolle Art konsequent.

9. Handeln, nicht meckern

Wer viel redet, verschiebt Konsequenzen. Rückmeldungen in Form von Lob, Belohnungen und Bestrafungen müssen aber sofort und oft kommen. Kinder mit dem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit und ohne Hyperaktivität (ADS bzw. ADHS) benötigen unmittelbarere Konsequenzen als andere Kinder. Damit kann man ihnen helfen, ihr Verhalten besser zu kontrollieren und ihre Leistungen zu verbessern.

10. Bloßstellungen vermeiden

Vielen Kindern mit ADS eilt der schlechte Ruf voraus. Oft werden sie zu Unrecht beschuldigt. Wenn sich Außenstehende über Ihr Kind beklagen, sollten sie Ihr Kind nicht vor diesen Leuten tadeln. Hören Sie sich die Anschuldigungen an, ohne dabei große Worte zu verlieren. Passen Sie zu Hause einen günstigen Moment ab, und geben Sie Ihrem Kind Gelegenheit, die Dinge aus seiner Sicht zu schildern. Bedenken Sie dabei, dass Ihr Kind ein anderes Verständnis und Gefühl für seine Handlungen hat. Es nimmt vieles anders wahr. Viele Taten sind in Wirklichkeit Unfälle und nicht Ausdruck eines bösen Willens.

11. Schauen Sie voraus

ADS-Kinder zeigen in ähnlichen Situationen ähnliches Fehlverhalten. Manchmal lässt sich ihr Verhalten voraussehen. Dann können geeignete Maßnahmen die Wahrscheinlichkeit verringern, dass das Problemverhalten auftritt.

12. Situationen entschärfen

Sehen Sie Ihrem Kind nicht direkt in die Augen und senken Sie Ihre Stimme, wenn das Erregungsniveau hoch ist und ein Wutanfall kurz bevor steht. Verordnen Sie sich und Ihrem Kind Auszeiten.

13. Plötzliche Veränderungen vermeiden

Anstehende Veränderungen im Alltag (Umzug, Schulwechsel, Renovierung) weit vorher ankündigen, damit Ihr Kind ausreichend Zeit hat, sich darauf einstellen. ADS-Kinder reagieren mit Stress, wenn sich Gewohnheiten ändern.

14. Motzereien nicht persönlich nehmen und nicht darauf eingehen

Dieses Verhalten richtet sich gegen die Rolle, die Sie spielen; nicht Sie als Person sind gemeint. Nehmen Sie sich böse Worte nicht zu Herzen. Wenn Ihr Kind seinen Unmut kundtut, weil es z.B. sein Zimmer aufräumen soll, kann es helfen, wenn sie mitmotzen: „Jetzt muss das hier noch aufgeräumt werden. So ein Mist aber auch!“

15. Immer wieder vergeben

Vergeben Sie dem Kind das Fehlverhalten, den anderen das Unverständnis und sich selbst die Fehler, die Sie im Umgang mit Ihrem Kind machen werden. Seien Sie nicht nachtragend. Bevor Ihr Kind einschläft, sollte alles geregelt und vergeben sein. Reden Sie über die positiven Ereignisse des Tages. Lassen sie die Konflikte des Vortags den neuen Tag nicht überschatten.