Leben auf der Schnellspur

Kinder, die Unruhe verbreiten und sich nicht an Regeln halten, testen den ganzen Tag Grenzen aus. Es gibt keinen Stillstand. Laufend fällt den kleinen Rackern etwas Neues ein. Ihre Eltern müssen stets mit Überraschungen rechnen. An manchen Tagen scheint alles schief zu gehen; an anderen Tagen unterscheidet das eigene Kind nicht viel von anderen Kindern. Die Erziehung dieser Kinder ist ein ständiges Auf und Ab. Eltern, die im Sturm das Steuer in der Hand behalten möchten, brauchen sehr viel Liebe, Geduld und besondere Erziehungskompetenzen.

Neue Einstellung

Haben Sie immer wieder die braven Kinder Ihrer Schwester vor Augen? Stimmt Sie die Heile-Welt-Familie aus der Fernsehwerbung nachdenklich? Haben Sie sich das Leben mit Kindern eigentlich ganz anders vorgestellt? Der Weg zu einem harmonischeren Familienleben beginnt mit einer neuen Einstellung. Sie müssen sich von falschen Idealvorstellungen lösen. Ihr Kind ist nicht „pflegeleicht“. Es verlangt Ihnen viel ab. Sie sind jeden Tag in besonderer Weise gefordert. Denken Sie stets daran, dass Ihr Kind sich nicht absichtlich daneben benimmt. Wahrscheinlich leidet es selbst am meisten unter seinen Defiziten.

Positives erkennen

Was macht Ihr Kind gut? Worauf sind Sie stolz? Nur wer Positives an seinem Kind entdeckt, kann auch „positiv verstärken“. Gerade bei schwierigen Kindern geht der Blick auf erfreuliche Verhaltensweisen schnell verloren. Führen Sie ein Tagebuch mit drei Spalten: Datum – Was lief gut? – Wie habe ich reagiert? Tragen Sie alle positiven Erlebnisse mit Ihrem Kind ein. Diese Aufzeichnungen werden Sie in stürmischen Zeiten aufbauen und Sie daran erinnern, dass Ihr Kind liebenwerte Seiten hat. So erhalten Sie Ihr persönliches Positiv-Tagebuch:

  1. Laden Sie den kostenlosen Adobe Reader herunter, falls diese Software noch nicht auf Ihrem PC installiert ist.
  2. Installieren Sie den Adobe Acrobat Reader durch Anklicken. Folgen Sie den Anweisungen des Installationsprogramms.
  3. Klicken Sie auf das Sonnen-Tagebuch , drucken Sie es aus, und kopieren Sie nach Bedarf.

Regeln finden

Wenn zwei Menschen sich finden, bringen Sie unterschiedliche Erziehungsvorstellungen in die Beziehung ein. Kompliziert wird es, wenn sich der Partner in schwierigen Erziehungssituationen auf die Seite des Kindes stellt und damit die Autorität des anderen Elternteils in Frage stellt. Das Kind beginnt, seine Eltern gegeneinander auszuspielen nach dem Motto „Wenn Mama nein sagt, frag ich Papa“. Wie lässt sich das verhindern? Eltern müssen sich unbedingt auf die Eckpfeiler der Erziehung verständigen und eine gemeinsame Linie finden. Was haben wir in unserer eigenen Erziehung erlebt? Was war gut? Was möchten wir unserem Kind ersparen? Wie viel Führung braucht unser Kind? Aus den Antworten auf diese Fragen lässt sich ein stabiles Fundament für die Erziehung Ihres Kindes bauen.

Sobald Sie sich mit Ihrem Partner einig sind, in welche Richtung der Dampfer fahren soll, ist es Zeit, gemeinsam mit dem Nachwuchs Kurs zu nehmen. Was sind die größten Zankäpfel in Ihrer Familie? Welche Regeln könnten die bestehenden Probleme lösen? Welche Konsequenzen sollen folgen, wenn diese Regeln missachtet werden? Kinder sollten ihrem Alter und Entwicklungsstand entsprechend an Regelfindungsprozessen beteiligt werden. Das eigene Mitwirken erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind die gemeinsam festgelegten Regeln befolgt. Hier finden Sie einen Regelfindungsbogen zum Ausdrucken.

Loben, loben, loben

Was tun Sie, wenn sich Ihr Kind an Regeln hält oder anderes erfreuliches Verhalten zeigt? Manche Eltern achten dann nicht weiter auf ihr Kind, weil es doch „selbstverständlich“ sein müsste, dass ein Kind sein Zimmer aufräumt oder freiwillig den Fernseher ausschaltet. Denken und handeln Sie ähnlich? Bei Kindern mit ADS ist nichts selbstverständlich! Auch der kleinste Erfolg ist ein Grund zur Freude. Und diese Freude müssen Sie Ihrem Kind mitteilen, damit es das wünschenswerte Verhalten beibehält. Sagen Sie deutlich, worüber Sie sich freuen, also nicht nur „Gut!“, sondern „Ich freue mich, dass du heute zur verabredeten Zeit nach Hause gekommen bist!“. Sie können Ihr Lob auch indirekt ausdrücken, indem Sie Ihr Kind drücken oder ihm anerkennend auf die Schulter klopfen. Oder Sie erzählen Ihrer besten Freundin am Telefon, was gut gelaufen ist, während Ihr Kind in Hörweite ist. Wichtig: Loben Sie unverzüglich, mit echter Freude in der Stimme und insbesondere dann, wenn Ihr Kind unaufgefordert eine Aufgabe erfüllt hat.

Aufforderungen wirkungsvoll formulieren

Fragen Sie sich häufig, warum Ihr Kind trotz guten Gehörs nicht „hört“? Vielleicht sagen Sie nicht deutlich genug, was es wann und auf welche Weise tun soll. „Dein Zimmer sieht aus wie eine Bruchbude“ oder „Du müsstest mal dein Zimmer aufräumen“ wird Ihr Kind nicht dazu veranlassen, jetzt mit dem Aufräumen zu beginnen. Das sind zaghafte Appelle, die bei schwieriger Motivationslage einfach überhört werden. Auf „Was hältst du davon, dein Zimmer aufzuräumen?“ würde Ihr Kind wahrscheinlich „Nichts!“ antworten und auf „Würdest du bitte so freundlich sein, in deinem Zimmer für Ordnung zu sorgen?“ bekämen Sie bestimmt ein „Nein, keine Lust!“ zu hören. Gibt es eine Lösung?

1. Unmittelbarkeit

Vergewissern Sie sich, dass Ihr Kind seine Antennen ausgefahren hat, bevor Sie eine Aufforderung geben. Gehen Sie auf die Höhe Ihres Kindes herunter, berühren Sie es an der Schulter und schauen Sie ihm beim Sprechen in die Augen. Erwarten Sie nicht, dass Ihre Botschaft ankommt, wenn Sie Ihrem Kind etwas aus der Entfernung zurufen. Es wird Sie nicht hören oder Ihre Worte als nicht so wichtig einschätzen.

2. Genauigkeit

Aufforderungen müssen genau sein, d.h. Sie müssen deutlich sagen, was Sie von Ihrem Kind möchten. Setzen Sie nicht zu viel voraus. Aus dem Ausruf „Hier hat wohl eine Bombe eingeschlagen!“ kann Ihr Kind keinen konkreten Handlungsbedarf ableiten. „Ich möchte, dass du jetzt dein Zimmer aufräumst“ ist besser. Allerdings sollten Sie Ihr Kind nicht mit zu umfangreichen Aufgaben überfordern. Unterteilen Sie größere Projekte in Einzelschritte: „Wirf die Bausteine in die Holzkiste“, „Setz deine Puppen auf das Regal“, „Leg die Kissen auf dein Bett“. Geben Sie höchstens zwei Anweisungen auf einmal, und kontrollieren Sie ab und zu, ob Ihr Kind tatsächlich aufräumt.

3. Bestimmtheit

Das zumindest gelegentliche Aufräumen des Kinderzimmers ist eine Notwendigkeit. Wer alles herumliegen lässt, findet nichts wieder und bricht sich eines Tages das Bein. Die Anweisung zum Aufräumen sollten Sie daher mit Bestimmtheit in der Stimme vortragen. Bitten oder betteln Sie nicht! Ihr Kind soll Ihnen schließlich keinen Gefallen tun, sondern seinen Pflichten nachkommen. Drücken Sie sich unmissverständlich, fest in der Sache und trotzdem freundlich aus.

Umgang mit Problemverhalten

Wutanfälle, Aggressivität und anderes problematisches Verhalten tritt meist in bestimmten Situationen auf. Manche Kinder brauchen eine Bühne. Sie benehmen sich meist nur daneben, wenn Besuch da ist oder wenn sie mit Mama auf dem Spielplatz oder im Supermarkt sind. Andere Kinder „drehen auf“, wenn bestimmte Personen, z.B. Papa, anwesend oder abwesend sind. Und schließlich gibt es Kinder, die mit Veränderungen schlecht zurechtkommen. Wie kann man all diesen Kindern gerecht werden?

1. Gegensteuern

Manche Eltern fördern ungewollt die unerwünschten Verhaltensweisen ihrer Kinder. So ist die Neigung zu Wutanfällen auf eine impulsive Veranlagung, aber auch auf bestimmte Lernprozesse zurück zu führen. Das Kind hat gelernt, dass es Wutanfälle als Druckmittel einsetzen kann: „Wenn ich tobe, bekomme ich was ich will!“. Belohnen Sie Ihr Kind für Fehlverhalten? Finden Sie es heraus, indem Sie dieses Wolken-Tagebuch mindestens einen Monat lang führen.

2. Vorausplanen

Wenn Sie problematische Situationen identifiziert haben, können Sie sich und Ihrem Nachwuchs durch eine gute Vorbereitung oder durch Vermeidung dieser Situationen das Leben erleichtern. Stehen große Veränderungen, wie ein Umzug, eine Reise oder ein Schulwechsel, an? Dann sollten Sie Ihr Kind behutsam darauf vorbereiten. Was bleibt? Was wird sich verändern? Wann geht es los? Ihr Kind braucht frühzeitig Antworten auf diese Fragen. Stellt man es vor vollendete Tatsachen, sind Konflikte sehr wahrscheinlich. Manche Situationen sind vermeidbar. Großeinkäufe sollten Sie lieber alleine erledigen. Nehmen Sie Ihr Kind vorerst nur zu kurzen Einkäufen mit, damit es sich daran gewöhnen kann, dass es nicht immer Ihre volle Aufmerksamkeit hat.

3. Entschärfen

Manchen Situationen können Sie mit Humor den Stachel nehmen. Regt sich Ihr Kind auf, dass es Hausaufgaben machen muss, kann Ihr augenrollendes „So ein Mist aber auch!“ für Aufheiterung sorgen. Ich kenne einige Eltern, die ihr Kind mit bestimmten absurden Verhaltensweisen aus einer schlechten Stimmung herausführen: Ein Vater kitzelt seinen wütenden Sohn ab; ein anderer geht mit seinem Kind in brenzligen Situation auf das Trampolin. Hat ein Kind bereits ein hohes Erregungsniveau erreicht, hilft häufig nur noch eine Auszeit. Führen Sie Ihr Kind ruhig und bestimmt in sein Zimmer, und lassen Sie es dort zur Ruhe kommen. Wichtig: Die Auszeit darf nicht als Strafe empfunden werden, sondern als Möglichkeit zum Rückzug.

Konsequenz

Was ist Inkonsequenz? Heute so, morgen so! Und was ist Konsequenz? Heute so, morgen so! Dieses Wortspiel verdeutlicht, dass mit Konsequenz nicht eine Extraportion Strenge, sondern ein nachvollziehbares und einschätzbares Verhalten gemeint ist. Einmal festgelegte Abmachungen dürfen nicht leichtfertig über Bord geworfen werden. Allerdings müssen Regeln fortlaufend an das Alter und den Entwicklungsstand des Kindes angepasst werden.

Logische Folgen statt Strafen

Worte sind für hyperaktive Kinder Schall und Rauch. Schimpfen können Sie sich sparen. Stattdessen sollte Ihr Kind möglichst unmittelbar nach seinem Fehlverhalten erfahren, dass es sich mit diesem Verhalten selbst am meisten schadet: Wer sein Spielzeug mutwillig zerstört, bekommt es weder ersetzt noch repariert. Wer das Eigentum eines anderen beschädigt, muss Wiedergutmachung leisten. Wer auf dem Spielplatz mit Sand wirft, muss auch bei schönem Wetter zu Hause spielen.

Bedingungslose Liebe

Sein Kind bedingungslos lieben, heißt nicht, dass Ihnen nie der Kragen platzen darf. Eltern dürfen ruhig auch mal laut werden, wenn es ganz dick kommt. Bedingungslos lieben heißt, dass wir das Verhalten der Kindes ablehnen und nicht das Kind selbst: „Wir lieben dich. Nichts kann etwas daran ändern“. Das ist eine Botschaft, die ankommen muss. Das eigene Zuhause muss ein sicherer Hafen sein – gerade für Kinder, die überall anecken. Trotz aller Konflikte werden Sie noch für viele Jahre der wichtigste Mensch im Leben Ihres Kindes sein.